Noten-Digitalisate des Komponisten Camillo Schumann online verfügbar
Vor 80 Jahren starb der Komponist und Organist Camillo Schumann (1872-1946). Die Manuskripte seiner größtenteils unveröffentlichten Kompositionen befinden sich im Nachlass des Königsteiner Heimatforschers und Musikschriftstellers Harald Schurz (1932–1995). Die Archivalien wurden nun abschließend erschlossen und digitalisiert. Über 7900 Digitalisate von ca. 500 Kompositionen stehen damit frei zugänglich zur Verfügung. Sie bieten überraschende Einblicke und verändern unsere Wahrnehmung des musikalischen Wirkens eines wenig beachteten sächsischen Komponisten.
Wo findet man die Noten-Digitalisate?
Mit der abgeschlossenen Erschließung und Digitalisierung der handschriftlichen Musikalien sind erstmals sämtliche Vokalwerke des Komponisten Camillo Schumann bekannt und öffentlich zugänglich. Die Noten befinden sich im Bestand 12814 Nachlass Harald Schurz des Hauptstaatsarchivs Dresden und können über unser Online-Informationssystem Sax.Archiv eingesehen und zur weiteren Verwendung heruntergeladen werden. Sie unterliegen keinen Urheberrechten mehr und sind nach den Maßgaben des Sächsischen Archivgesetzes benutzbar. Wer sich also auf der Suche nach neuen Stücken befindet, kann die Kompositionen von Camillo Schumann, die nicht nur durch ihren lokalen Bezug punkten, frei verwenden.

Was ist nach dem Tod Camillo Schumanns erhalten geblieben und warum?
Das Werkverzeichnis zu Camillo Schumann blieb durch den Tod von Harald Schurz unvollendet. Jetzt, nach 30 Jahren, ist es durch die detaillierte Erschließung des Bestandes im Hauptstaatsarchiv Dresden gelungen, beinahe alle überlieferten Werke genau zu benennen. Der Notenbestand von Camillo Schumann umfasst autographe Konzept- und Reinschriften, Drucke sowie Abschriften (insbesondere von seiner zweiten Frau Elisabeth Schumann geb. Zech (1890-1974)). Damit ist nun die Zahl der bekannten Kompositionen Camillo Schumanns deutlich größer als das Werk seines bekannteren älteren Bruders Georg Schumann, des langjährigen Direktors der Berliner Singakademie.

Neben den Werken für Orgel, Klavier und Harmonium sowie Stücken für fast alle Melodieinstrumente überrascht Schumanns OEuvre mit einer Vielzahl an weltlichen Liedern und geistlichen Vokalkompositionen für den gottesdienstlichen Gebrauch. Der bedeutendste Fund aber ist der umfangreiche Teil der Vokalwerke, der so bisher nicht bekannt war.
Die Noten Schumanns sind Teil des “Königsteiner Musikerarchivs”, das Harald Schurz im Alter von 22 Jahren im Mai 1954 gründete und über Jahrzehnte aufbaute. Schurz sammelte über 500 Kompositionen mit 350 Autographen, 3000 dokumentarische Belege und ca. 500 Bücher und Schriften. Harald Schurz ist es zu verdanken, dass schon zu seiner Zeit die Werke heimatlicher Komponisten in 16 Ländern aufgeführt wurden. Für seine Verdienste erhielt der Heimatforscher zahlreiche Auszeichnungen und wurde 1994 in das “Goldene Ehrenbuch” seiner Heimatstadt Königstein eingetragen.
Wer war der Komponist und Organist Camillo Schumann?
Camillo Schumann wurde 1872 als Sohn des Stadtmusikdirektors Clemens Schumann und seiner Frau Camilla, geb. Müller, in Königstein geboren.1. Als hauptamtlicher Organist arbeitete er ab 1896 an der Hauptkirche St. Georg zu Eisenach und an der Wartburgkapelle. Der Titel „Großherzoglich Sächsischer Musicdirector und Hoforganist“ wurde ihm 1906 verliehen. Die Pflege der Musik Johann Sebastian Bachs in dessen Geburtsstadt war ihm ein Anliegen. Nach der Übersiedlung nach Bad Gottleuba im Jahr 1914 widmete er sich vermehrt seiner kompositorischen Arbeit. Es entstanden kirchenmusikalische Stücke aber auch weltliche Lieder mit zeitgenössischen Texten. Camillo Schumann starb 1946 in Bad Gottleuba.

„Camillo Schumann ist als Komponist Romantiker im Sinne der Linie Mendelssohn bis Brahms. Sein Stil ist klar, liebenswürdig und ungekünstelt. Die Melodieführung entspringt einem Verlangen nach Schönheit des Ausdrucks. […] Von besonderer Tiefe der Empfindung sind die langsamen Sätze […].“
– H. Burckhardt 1958, zit. bei Harald Schurz: Bedeutende Königsteiner Musiker, in: Sächsische Schweiz – Berichte des Arbeitskreises Sächsische Schweiz, T. III, Dresden 1968; Ars Organi, 35. Jg., Heft 3, September 1987, S. 158
- Weitere Informationen zum Leben und Werk des Komponisten Camillo Schumann finden sich im Wikipedia-Eintrag [↩]
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Karen Marit Ehlig, Caroline Seiler (24. Juni 2026). Noten-Digitalisate des Komponisten Camillo Schumann online verfügbar. SAXARCHIV-Blog. Abgerufen am 6. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16gdc
