Änderung unserer Service-Angebote – eine Zwischenbilanz
Weniger Benutzer in den Lesesälen, mehr Benutzer im Internet: Das Sächsische Staatsarchiv passte ab Mai 2025 seine Serviceangebote an ein verändertes Nutzungsverhalten an. Seitdem ist über ein Jahr vergangen – Zeit für eine Zwischenbilanz!
Im April 2025 informierten wir hier über Veränderungen in der Art, in der Menschen unser Archiv nutzen. Und wir kündigten einige Veränderungen an: den Beginn eines regelmäßigen Angebots von Online-Einführungen, Änderungen bei den Öffnungszeiten und erweiterte Nutzungsmöglichkeiten für Gruppen. Welche Erfahrungen haben wir damit gemacht – und wie geht es weiter?
Öffnungszeiten und Nutzung der Lesesäle

An allen Standorten ist seit dem 5. Mai 2025 der Lesesaal morgens ab 9 Uhr geöffnet. Das Staatsarchiv Leipzig und das Bergarchiv Freiberg haben seit diesem Datum nur noch (wie das Staatsarchiv Chemnitz seit längerem) an 3 Tagen in der Woche regulär geöffnet. Unsere Nutzenden nahmen diese Veränderungen gelassen auf. Benutzerschwund gab es dadurch nicht: Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Benutzer im Lesesaal gegenüber dem Vorjahr sogar etwas an. Allerdings bestellten sie weniger Archivalien und verweilten auch kürzer im Lesesaal.
| 2025 | 2024 | |
| Benutzer in den Lesesälen | 2.203 | 2.046 |
| Benutzertage | 4.935 | 5.235 |
| Benutztes Archiv- und Bibliotheksgut | 49.622 | 56.340 |
| pro Benutzer im Durchschnitt | 22,5 Stück | 27,5 Stück |
| Durchschnittliche Verweildauer | 2,2 Tage | 2,5 Tage |
Öffnung für Gruppen
Das Staatsarchiv Leipzig bietet seit Mai 2025 an Donnerstagen und Freitagen die Öffnung des Lesesaals für Gruppen (nach Vereinbarung) an. Dieses Angebot wurde u. a. an die Hochschulen in Leipzig kommuniziert. Im Jahr 2025 fanden zahlreiche Gruppenbenutzungen statt, v. a.
- mehrerer Seminargruppen aus dem Historischen Seminar der Universität Leipzig,
- mehrerer Musikwissenschaftliche Seminare der Universität Leipzig, der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt a. M. sowie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Profillinie Musikbibliotheken,
- eines Seminars der Historischen Sprachwissenschaften des Deutschen an der Universität Leipzig,
- von Schülergruppen für Stolperstein-Projekte.
Wenn möglich, wurden diese Termine an Donnerstagen oder Freitagen durchgeführt. Unserer Erfahrung nach sind solche gemeinschaftlichen Archivbesuche mit Archivgutnutzung der beste Weg, um „Archivangst“ abzubauen. Der zweitbeste Weg können Online-Einführungen sein.

Online-Einführung in die Archivbenutzung
In unserem Beitrag vom April 2025 kündigten wir an, künftig einmal im Monat eine rund halbstündige Einführung die Archivbenutzung anzubieten. Diese Termine waren und sind bewusst als „live-Veranstaltung“ gestaltet. Unser Terminangebot bis Ende 2026 finden Sie online.
Wie wurde dieses Angebot bisher angenommen? Wir finden: Gut. An den 8 Veranstaltungen im Jahr 2025 nahmen 172 Personen teil. Die Teilnehmendenzahl schwankte stark: Am ersten Termin waren es 41, die niedrigste Zahl war 5. Der Durchschnitt lag bei 21,5. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die Zahl bei durchschnittlich 14 Teilnehmenden pro Termin eingependelt. Damit ist der zeitliche Aufwand für eine Einführungsberatung erheblich niedriger, als wenn sie jeweils nur für eine einzige Person stattfinden würde.
Das Sächsische Staatsarchiv ist seit vielen Jahren intensiv dabei, zu digitalisieren. Inzwischen liegen über 40 Millionen Digitalisate vor, davon sind derzeit 28,3 Millionen online zugänglich. Eine Liste der entsprechenden Bestände finden Sie auf unserer Homepage.
Thematische Einführungen (online)
Ob Heimat-, Regional- oder Familiengeschichtsforschung, Forschung durch die Geschichtswissenschaften oder historisch ausgerichtete Fachrichtungen wie die Kulturgeschichte, Medizingeschichte oder historische Buchwissenschaft – bei uns gibt es Quellen für eine breite Vielfalt an Themen.
So kündigten wir im April 2025 monatliche Einführungen zu bestimmten Themen oder Überlieferungsgruppen an, die Anregungen oder Hilfestellung für die Benutzung von Beständen des Sächsischen Staatsarchivs bieten sollen.
Archivarinnen und Archivare aus fast allen Abteilungen des Sächsischen Staatsarchivs haben seitdem zu folgendem, breiten Themenspektrum Online-Vorträge gehalten:
- Alles online? Digitalisierung und Digitalisate im Sächsischen Staatsarchiv
- Mittelalterliche und frühneuzeitliche Urkunden
- Karten und Risse im Sächsischen Staatsarchiv
- Wirtschaftsüberlieferung im Sächsischen Staatsarchiv
- Genealogische Forschung in den Militärbeständen
- „Ungeöffnete Kriegsgräber?“ Zum Archivgut von Musikverlagen im Staatsarchiv Leipzig
- Eine besondere Quellengattung: Die Zechenregister im Bergarchiv Freiberg
- Quellen zu Sachsen im Nationalsozialismus
- Quellen zu deutschsprachigen Verlagen und Buchhandlungen
- Quellen zur jüdischen Geschichte im Staatsarchiv Chemnitz
- Sachthematische Inventare zu den Beständen des Staatsarchivs – heute noch von Nutzen?
- Recherche in Bergbauunterlagen
- Nachlässe im Sächsischen Staatsarchiv
- Eine unterschätzte Quelle? Gerichts- und Grundbücher im Sächsischen Staatsarchiv
- (Historische) Handelsregister und -akten: Eine Einführung
Seit Mai 2025 boten wir bisher 16 Veranstaltungen an, an denen insgesamt 362 Interessierte teilnahmen. Der Durchschnitt liegt damit bei 22,6 Personen. „Spitzenreiter“ war der Vortrag zu den Gerichtsbüchern mit 50 Teilnehmenden. Das unterstreicht das große Interesse an dieser deutschlandweit in dieser Form einmaligen Überlieferung, die über das Portal „Sächsische Gerichtsbücher“ gut genutzt werden kann.
Wie geht es weiter?

So lange die Resonanz auf unsere Online-Veranstaltungen so gut ist, wollen wir die Formate beibehalten. Dies gilt sowohl für die allgemeinen Benutzungseinführungen wie für die thematischen Vorträge. Themen, die auf besonders große Resonanz stießen oder die wir selbst für besonders wichtig halten, werden wir wieder aufgreifen. So sollen z. B. die Vorträge über „Quellen zu Sachsen im Nationalsozialismus“ oder zu „Digitalisierung und Digitalisate im Sächsischen Staatsarchiv“ im kommenden Jahr wieder angeboten werden. Anregungen und Wünsche hierzu nehmen wir gerne entgegen (per Mail an poststelle-l@sta.smi.sachsen.de)!
Archivbenutzung verändert sich – unsere Angebote ändern sich mit. Brücken ins Archiv zu bauen, die Benutzung der analogen und digitalen Bestände zu fördern, das wird auch in Zukunft unser Ziel sein!
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Thekla Kluttig (31. August 2026). Änderung unserer Service-Angebote – eine Zwischenbilanz. SAXARCHIV-Blog. Abgerufen am 6. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16p9g
