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Zwischen Integration, Ausgrenzung und Verfolgung: Ausstellungseröffnung im Staatsarchiv Chemnitz

Vereinsregisterakte Jüdischer Sportklub Makabi Chemnitz. Sächsisches Staatsarchiv, 30104 Amtsgericht Chemnitz, 516.

Anlässlich der Chemnitzer Museumsnacht am 9. Mai 2026 öffnete das Staatsarchiv Chemnitz die Türen zu einer besonderen Ausstellung: „Zwischen Integration, Ausgrenzung und Verfolgung: Auf den Spuren jüdischer Geschichte“. Zugleich bot sich den Besuchern die seltene Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Archivs zu werfen.

Kursächsisches Mandat von 1746, das verbindliche Bestimmungen für die Niederlassung und wirtschaftliche Tätigkeit von Juden festlegte. Sächsisches Staatsarchiv, 30656 Grundherrschaft Gablenz, 96, Bl. 79.

Die Gemeinschaftsausstellung des Staatsarchivs Chemnitz und des Stasi-Unterlagen-Archivs Chemnitz beleuchtet die wechselvolle jüdische Geschichte Südwestsachsens. In insgesamt acht Vitrinen werden ausgewählte Archivalien aus den Beständen beider Archive präsentiert, die einen Bogen von der Frühen Neuzeit bis zur politischen Wende 1989/90 spannen.

Die Bandbreite der Exponate reicht dabei von kursächsischen Mandaten aus dem 18. Jahrhundert bis hin zu Unterlagen aus der NS-Zeit und der DDR. Dazu zählen etwa Gefangenenakten des Zuchthauses Zwickau, die die Verfolgung jüdischer Menschen in der NS-Zeit widerspiegeln. Gleichzeitig dokumentieren Vereinsregisterakten, z.B. des Israelitischen Frauenvereins zu Chemnitz, die wachsende Integration jüdischen Lebens in der Kaiserzeit.

Archivalien erzählen jüdische Lebensgeschichten

Die jüdische Geschichte Sachsens ist von tiefgreifenden Umbrüchen geprägt, die sich anhand einzelner Lebenswege eindrücklich nachzeichnen lassen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Georg Manasse: Sein Nachlass wird im Staatsarchiv Chemnitz verwahrt. Private Aufzeichnungen und Schriftwechsel machen zentrale Stationen seines bewegten Lebens sichtbar, vom Aufstieg im Schocken-Konzern über sein gesellschaftliches Engagement in der Weimarer Republik bis hin zur Verfolgung während der NS-Zeit.

Archivalien aus dem Nachlass von Georg Manasse (Foto: Benedikt Neuwöhner)
  • Die Ausstellung „Zwischen Integration, Ausgrenzung und Verfolgung: Auf den Spuren jüdischer Geschichte“ ist vom 9. Mai bis 31. Dezember 2026 zu sehen
  • Ort: Staatsarchiv Chemnitz, Elsasser Straße 8, 09120 Chemnitz
  • Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9 bis 16 Uhr (mittwochs bis 18 Uhr), Freitag 9 bis 14 Uhr
  • Eintritt: kostenlos

Die Ausstellung ist Teil des landesweiten Themenjahrs TACHELES 2026. TACHELES rückt die jüdische Kultur und Geschichte Sachsens in den Mittelpunkt. Diese soll als selbstverständlicher Teil der sächsischen Kultur‑ und Gesellschaftsgeschichte wahrgenommen werden. Das Sächsische Staatsarchiv engagiert sich auf mehreren Ebenen im Rahmen des Themenjahrs. Mehr dazu finden Sie auf unserem Blog.

Hinter den Türen des Staatsarchivs Chemnitz

Neben der Ausstellungseröffnung bot die Museumsnacht auch die Gelegenheit, das Staatsarchiv Chemnitz aus einer neuen Perspektive kennenzulernen: Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den Führungen durch das Haus. Großen Zuspruch fand die Möglichkeit, die sonst nicht zugänglichen Magazine zu betreten. Hier erhielten die Besucher einen anschaulichen Einblick in die Arbeitsabläufe des Archivs, insbesondere in die Aufgabe der Bestandserhaltung.

Rundgang durch das Magazin mit einer Besuchergruppe (Foto: Raymond Plache)

In den Gesprächen mit den Besuchern zeigte sich großes Interesse an archivischen Themen. Die Mitarbeitenden des Sächsischen Staatsarchivs erläuterten beispielsweise, wie digitale Entwicklungen die Arbeit von Archiven verändern. Neben diesen fachlichen Einblicken wurden die jungen Gäste nicht vergessen: So konnten Kinder eigene Wappen gestalten und sich spielerisch der Institution Archiv annähern.

Das Staatsarchiv Chemnitz beteiligte sich 2026 bereits zum vierten Mal an der Chemnitzer Museumsnacht – erneut mit großem Besucherinteresse. Das Publikum war bunt gemischt: von historisch Interessierten und Familienforschenden bis hin zu vielen jungen Menschen und Gästen ohne Vorkenntnisse über Archive. Die Museumsnacht bot damit eine gute Gelegenheit, die Arbeit des Sächsischen Staatsarchivs einem breiten Publikum näherzubringen. Daher streben wir auch im kommenden Jahr die Teilnahme des Staatsarchivs Chemnitz an der Museumsnacht an.

Benedikt Neuwöhner
Benedikt Neuwöhner

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Benedikt Neuwöhner (8. Juni 2026). Zwischen Integration, Ausgrenzung und Verfolgung: Ausstellungseröffnung im Staatsarchiv Chemnitz. SAXARCHIV-Blog. Abgerufen am 6. September 2026 von https://doi.org/10.58079/16cqw


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Eine Antwort

  1. 05/07/2026

    […] Neuwöhner (8. Juni 2026). Zwischen Integration, Ausgrenzung und Verfolgung: Ausstellungseröffnung im Staatsarchiv Chemnitz. SAXARCHIV-Blog. DOI: 10.58079/16cqw. […]

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